Der Energiekonzern Ørsted hat gemeinsam mit dem Drohnenbetreiber Skyports einen vierwöchigen Testbetrieb im Offshore-Windpark Hornsea 2 in der Nordsee abgeschlossen. Dabei transportierten Schwerlast-Drohnen Wartungswerkzeug und Ersatzteile mit einem Gewicht von bis zu 65 Kilogramm zwischen einem Serviceschiff und den Turbinenköpfen. Bemerkenswert ist vor allem, dass dabei erstmals eine Lieferung innerhalb des Windparks im BVLOS-Modus durchgeführt wurde, also ohne durchgängige Sichtverbindung zwischen Pilot und Fluggerät.
Für die Windenergiebranche ist das ein naheliegendes Anwendungsfeld: Wartungsteams müssen derzeit meist per Boot oder Hubschrauber zu den Turbinen gebracht werden, was bei rauer See zeitaufwendig, teuer und nicht ungefährlich ist. Können stattdessen Werkzeuge und kleinere Bauteile per Drohne direkt zur Turbinenspitze geflogen werden, lassen sich Wartungsfenster deutlich verkürzen und Personaleinsätze auf See reduzieren. Der Hornsea-2-Test liefert damit reale Betriebsdaten zu einem Szenario, das in der Offshore-Industrie schon länger diskutiert, aber bislang selten im großen Maßstab erprobt wurde.
Für Fernpiloten und gewerbliche Betreiber in der EU ist der Versuch vor allem als Blaupause interessant, wie BVLOS-Betrieb in der Kategorie „speziell” unter der EU-Drohnenverordnung in der Praxis aussehen kann. Eine Operation wie in Hornsea 2 würde hierzulande eine Risikobewertung nach SORA sowie eine entsprechende Betriebsgenehmigung der zuständigen Luftfahrtbehörde voraussetzen, inklusive Nachweisen zu Ausweichverfahren, Kommunikationsredundanz und Containment-Strategien über offenem Wasser. Wer sich beruflich mit Inspektions- oder Wartungsflügen an Windenergieanlagen, Offshore-Infrastruktur oder vergleichbaren linearen Infrastrukturen befasst, sollte solche internationalen Pilotprojekte im Blick behalten, da sie häufig als Referenzfälle in künftige Guidance-Dokumente der EASA oder nationaler Behörden einfließen.
Auch für BOS-Anwender ist der Testfall relevant, wenngleich nicht unmittelbar übertragbar: Er zeigt, dass BVLOS-Transportflüge mit relevanter Nutzlast technisch und organisatorisch beherrschbar sind, wenn Betreiber, Infrastrukturbetreiber und Genehmigungsbehörde eng zusammenarbeiten. Ähnliche Kooperationsmodelle – etwa zwischen Energieversorgern, Hafenbehörden und Rettungsorganisationen – könnten mittelfristig auch in Deutschland und anderen EU-Staaten für Material- oder Medizinalgütertransporte in schwer zugänglichem Gelände an Bedeutung gewinnen.
Für die Ausbildung bedeutet das vor allem eines: Wer sich langfristig im gewerblichen Segment spezialisieren möchte, kommt an einer soliden SORA-Kompetenz und einem Verständnis für BVLOS-spezifische Risikominderungsmaßnahmen nicht vorbei. Projekte wie der Ørsted-Skyports-Versuch liefern dafür wertvolle Praxisbeispiele, auch wenn die konkrete Genehmigungslage in Großbritannien – wo Hornsea 2 liegt – sich von der EU-Regulierung unterscheidet und nicht eins zu eins übertragbar ist.